Sightseeing bis zur letzten Minute! ⏱️

Veröffentlicht am 31. August 2026 um 20:00

Liebes Tagebuch, liebe Leute!

Zeit, um meine Zeit in Rio mit diesem Bericht zu beenden - ja, alles Schöne muss leider auch mal zu Ende gehen.

Einmal in der Woche gibt es auf dem Berg Morro da Urca (erste Station des berühmten Zuckerhuts) einen Live DJ, der am Nachmittag für eine gute Stunde Musik auflegt. In meinem Fall eine DJane, die bei den Leuten richtig gut ankam. Um dorthin zu gelangen, nahmen wir vom Hostel aus ein Uber und wanderten dann eine Stunde den Berg rauf. Als Begleitperson hatten wir eine Angestellte vom Hostel dabei, die uns mit der Anwesenheit ihres nervigen Freundes beehrte, auf dem Weg rauf mehrfach wild mit ihm rumschmuste und uns erklärte, dass Sex draußen in der Natur hier in Brasilien gang und gäbe sei. Ach ja. Danke für die Info, nach der keiner gefragt hatte. Mit seiner absolut eingebildeten Persönlichkeit und der Art und Weise, wie er immer wieder oberkörperfrei bergauf an uns vorbeijoggte, knackte er bei mir auch nicht gerade den Sympathie - Jackpot. Gott sei Dank haben wir die beiden oben aus den Augen verloren und dann auch nie wieder gesehen. Der Ausblick vom Gipfel über Rio war schon mal Oberhammer, aber mit der Musik und der guten Stimmung hald einfach nochmal besser.

Nächster erwähnenswerter Ausflug: Unsere Führung durch die Favela Rocinha! Favelas sind Armenviertel am Stadtrand, die oft auf an Hängen angesiedelt sind. Rocinha ist die größte Favela in ganz Brasilien und umfasst zwischen 150.000 und 250.000 Einwohner. Was die ganze Tour so spannend gemacht hat? Unser Guide Daniel aus Deutschland, der nicht mehr nach Deutschland zurück kann, weil er dort wegen Drogenanbau und Handel gesucht wird. Gefängnis hat ihn nicht so sehr interessiert, also ließ er seine Grasplantagen hinter sich und quatschte hier in Rio direkt einen Drogenboss an. Er überzeugte ihn von seinen Marihuana-Anbau-Skills, bekam den Job und darf hier nun sein Business weiterführen - mit großzügigen Abgaben an den Boss natürlich. So funktioniert übrigens die gesamte Favela: Jeder der hier einen Betrieb hat, zahlt monatlich seine Abgaben an den Drogenboss, egal ob Frisör, Restaurant oder Drogenplantagenbesitzer.

Auch für die Häuser hier zahlt jeder Miete, je nach Größe und Lage mehr oder weniger. Hier klebt ein Häuschen am anderen, ihr müsst euch die Fotos dazu ansehen- ein richtiger Slum. Die günstigsten Häuser befinden sich mitten im Nirgendwo, sind nur über langen Fußweg über zahlreiche Treppen erreichbar, bekommen den ganzen Tag kein Sonnenlicht ab und ersticken förmlich in muffig feuchter Luft. Unser Guide hat ein richtig tolles Haus mit Aussicht über Rio im oberen Teil der Favela - er kann es sich mit seinem Drogenbusiness auch leisten. Ist da richtig stolz drauf und redet so unbeeindruckt über das Verticken von Drogen, als würde er bei Deichmann Schuhcreme verkaufen. Was ist das hier nur wieder für ein absolut schräges Erlebnis? Kann man sich nicht ausdenken.

Während wir durch die Gassen und an mehreren Typen mit schweren Maschinengewehren vorbeischlenderten, gab er uns zig Infos über das Leben der Menschen hier. Jedem steht es frei zu die Favela zu verlassen, die wenigsten tun es jedoch. Kinder scheinen glücklich zu sein. Erwachsene kennen nichts anderes.

Wir schauten bei einem Basketballspiel zu - finanziert wurde der Platz von einem berühmten Basketballspieler, der damals selbst in der Favela aufwuchs und weiß, wie sehr die Kinder solche Angebote brauchen können. Probleme mit der Polizei von Rio gibt es keine - jeder ist absolut korrupt, holt regelmäßig Schweigegeld ab und lässt die Drogenbarone wieder in Ruh. Streiteren und Schusswechsel zwischen den verschiedenen Favela-Bossen und Anhängern kommen vor. Wir besuchten auch eine Kampftanz Vorführung im Ort - war richtig gut und unterhaltsam!

Grundsätzlich durften wir Fotos machen und filmen, doch an mehreren Stellen mussten wir die Handys wegpacken. Nicht weil sie uns jemand klauen würde, nein, sondern weil wir gerade an Drogenverkaufspunkten oder dem Haus des Favelabosses vorbeispazierten und diese Leute Fotos überhaupt nicht leiden können, das kann dann schnell unschön werden. All dies erzählte uns Daniel mit einer Ruhe selbst. Einmal wurde von einer Touristin gefilmt, was nicht gefilmt werden durfte - wurde daraufhin mit mehreren Maschinengewehren bedroht und zack, war das Video auch schon wieder verschwunden. Daniel gefällt es hier, er will auch bleiben. Irgendwann, wenn er aber genug Geld verdient hat, möchte er auch einen deutschsprachigen Touranbieter hier in Rio eröffnen. Fein! Nach der Tour kamen wir zu Fuß beim Startpunkt an (den Weg auf den steilen Hang rauf hatten wir zuvor auf einem Motorradtaxi bestritten).

Die weltberühmte Christusstatue in Rio hab ich übrigens am LETZTEN Tag meines Aufenthaltes besucht. Unfassbar, da muss ich selbst ja fast den Kopf schütteln. Noch dazu bei Dämmerung, da vorher alle Tickets rauf schon ausgebucht waren. Mit dem Airtrain genoss ich also einen bequemen Aufstieg, dachte oben mehrfach an meine Oma und dass sie meinte, hier müsse ich unbedingt her, schoss ein paar Fotos, genoss den letzten Ausblick über die Stadt und fuhr zufrieden wieder ins Hostel zurück. WAS für eine Zeit, nicht in Worte zu fassen.

Der Abschied von allen Leuten im Hostel fiel mir schwer, ob von Angestellten oder Gästen. Es gab viele Umarmungen, liebe Worte und ein gratis Frühstück zum Abschied. Von Nele und Dominic musste ich mich ja glücklicherweise noch nicht vollends verabschieden, die beiden würde ich in Argentinien nochmals sehen. Ganz zufällig hatten wir drei ähnliche Reisepläne und die Wege würden sich nochmals kreuzen.

Das war's von Rio, ich hoffe euch gefallen die Fotos genauso wie mir!
Bussi, eure Babsi! ❤️

(12.-21. August 2026)

Kommentar hinzufügen

Kommentare

Es gibt noch keine Kommentare.