Liebe Leserinnen, liebe Leser!
Der Flughafen São Paulo wird es wohl nicht mehr auf die Liste meiner Lieblingsflughäfen schaffen. Zuerst mal war mein Rucksack nicht da und dann durfte ich mir auch noch den herrlichen Feueralarm des Hauses anhören. Ich stellte mich beim Lost and Found Schalter an und dachte mir: "Jetzt hat es schlussendlich auch mal mich erwischt". Bisher hatte ich ja mehr Glück als Verstand. Allein bei meiner Weltreise waren es 29 Flüge und kein verlorengegangenes Gepäck! ✨
Als der Businessman vor mir endlich damit fertig war, sich zu beschweren, wurde mein Problem vom freundlichen Mitarbeiter eigentlich schnell gelöst: "Ah, ein Rucksack? Komm mal mit!" Lag dann einfach bei der Gepäckschleife von Doha, Katar mitdabei. Warum und wie- keine Ahnung, aber Hauptsache er war da! ❤️
Da es durch die Warterei nun aber leider schon finster geworden war, wollte ich doch nicht mehr so recht mit den Öffis ins Stadtzentrum rein. Sagte mir zuvor doch jeder, bei Nacht in Brasilien besser nicht herumzugeistern.
Mit gratis Flughafen WiFi gönnte ich mir also ein knapp 20 Euro teures Uber, welches mich fast eine Stunde lang durch São Paulo bei Nacht chauffierte. Der selbe Preis, den ich übrigens für meine drei Nächte im Hostel hier gesamt bezahlt hatte. Der Fahrer Alessandro, ein freundlicher älterer Herr, ermöglichte mir gratis Wifi in seinem Auto und versicherte sich nach der Ankunft auch, dass ich hier richtig war und sicher nach drinnen gelangte.
Der Check In war super erfrischend. Mich empfingen zwei junge, witzige Herren, wobei einer gerade angelernt wurde und kein Wort Englisch verstand. Der andere hatte die größte Wuschelkopffrisur, die ich je in meinem Leben gesehen hatte. So viel Haar am Kopf muss diesen ja fast nach unten ziehen haha. Meine beiden Karten funktionierten bei der Bezahlung zuerst nicht und so meinte ich, dass das kein Problem seie und ich somit eine Nacht draußen auf der Straße schlafen würde. Meinen todernsten Sarkasmus verstand Mr. Wuschelkopf zuerst mal nicht und sah mich mit weit aufgerissenen Augen an: "Nooooo, nooo, we don't do that here!" Schnell fand er Gefallen an meinem Humor. Die beiden zeigte mir alle Räumlichkeiten und stellten mir die Deutsche, den Marokkaner und den Kolumbianer auf der Terrasse vor. Ich bekam übrigens ein kleines Upgrade und durfte mit dem deutschen Mädl zu zweit in ein Extrazimmer. Der Grund lässt schmunzeln: Im anderen Mehrbettzimmer lag ein Typ, der wegen mangelnder Körperhygiene so sehr stank, dass das ganze Zimmer nach ihm roch. Und da wir zwei die einzigen Damen im Haus waren und man zwei Damen das ja nicht zumuten könne, bekamen wir ne Extrawurst. Heißt also: Upgrade wegen Gestank.✨😂
Luxus bot das andere Zimmer aber auch keinen, denn ich lag im oberen Bett des Stockbettes und das schmale Bett knatterte bei jeder minimalen Bewegung und hatte keinen Seitenschutz - ich hatte also wieder einmal ziemlich große Angst davor, während des Schlafes aus dem 90cm Bett zu rollen. 🙄 Stellte sich heraus, dass die Matratze in der Mitte eh so extrem eingelegen war, dass man dort automatisch hängenblieb. Wie praktisch.
An meinem ersten Tag in der Stadt, Dienstag, wollte ich ein paar Kleinigkeiten erledigen: Geld abheben, eine Sim Karte für Internet besorgen und mir bei Decathlon ein schnelltrocknendes Handtuch besorgen, weil meines anscheinend in Kaindorf 375 geblieben ist. All das brachte Probleme mit sich. Ohne Internet einen Bankomaten finden? Kaum möglich. Ich lief kreuz und quer durch die Straßen und fand überhaupt gar nix. In all den anderen Ländern Lateinamerikas wird außerhalb zahlreicher Shops damit geworben. In einem Supermarkt kaufte ich mir eine Flasche Wasser und stand recht ratlos rum, als die Kassiererin nicht aufhörte, mir Fragen zu stellen. Hilfe! 😂 Eine ältere Dame eilte mir dann zur Hilfe. Also wirklich: Sehe ich so aus, als würde ich bei eurem Treuepunkteprogramm mitmachen? Und musst du mich dreimal danach fragen, wenn du doch schon checkst, dass ich kein Wort Portugiesisch verstehe?
Dieselbe nette Dame erklärte mir dann auch den Weg zu einer Bank. Danke!
Jetzt hatte ich Bargeld, aber noch kein Internet und São Paulo ist ungelogen die für mich bisher weltweit komplizierteste Stadt, wenn es um Sim Karten geht. Ich suchte überall, aber es gab sie einfach nirgendwo. In einem Minimarkt fragte ich schließlich um Wifi, bestellte mir ein Uber zum nächsten Einkaufszentrum und ging dort dann direkt in den Vivo-Handy-Shop. Die Prozedur, bis die SIM funktionierte, war haareraufend. Da hätte ich doch glatt erstmals eine E-Sim besorgt, hätte ich das vorher gewusst. Man muss allerdings schon sagen, dass man mit einer Sim Karte vor Ort preis-leistungstechnisch um einiges besser aussteigt.
Handtuch fand ich dann auch ruckzuck. Mittagessen auch. Zurück im Hostel machte ich ein Nickerchen, ging im Finsteren zum nächsten Minimarkt und im Anschluss noch mit einem Mitarbeiter des Hostels in eine Bar auf das eine oder andere Bier. Hab auch Cachaca probiert - den Must-Drink-Shot Brasiliens. Gar nicht so verkehrt.
Für den kommenden Tag buchte ich mir einen Platz in einer Graffiti - Tour. Fotos dazu gibt es im nächsten Bericht. 😉 Alles Liebe, eure Babsi!
(Montag, 3. und Dienstag, 4. August 2026)
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