Liebe Leserinnen, liebe Leser!
Nachdem mir der selbe Angestellte, mit dem ich gestern easy was trinken war, eine Blume für mein Haar geschenkt hat und meinte "Für dich, meine Schöne", läutete gleich mal die eine oder andere Alarmglocke und ich brach schnellstmöglich zu meiner Walking Tour auf. Es war eine Graffititour, gefüllt mit Leuten verschiedenster Nationalitäten. Fi, unser weiblicher Tourguide des Tages, suchte mit uns nicht nur mehrere bunte Graffiti auf, sondern erzählte uns auch einiges über die Geschichte hinter São Paulo. War ein echt guter Mix! Nebenbei gab sie uns auch Tipps über Getränke, Obst und Speisen, die wir in Brasilien auf jeden Fall kosten müssten. Die Zutaten eines Caipirinhas wurden genauestens erläutert.
Die Tour endete in der bunten Batman Alley - eine Gegend gefüllt mit den buntesten Graffiti und vielen Straßenständen, die Schmuck und Kunst verkauften. Also: Genau meins!
Ich wollte mir das alles auch noch ganz genau ansehen, entschied mich aber dazu, zuerst zwei Leuten meiner Tour in ein Restaurant zu folgen. Ich brauchte eine anständige und ausgiebige Mahlzeit und gemeinsam teilten wir uns eine "Feijoada", eine traditionelle Speise hier. Im ganzen Land wird dieses Gericht nur an zwei Tagen in der Woche zubereitet: Mittwochs und samstags. Lustig oder? Es soll zudem nicht abends gegessen werden, da es schwer im Magen liegt.
Der Bohneneintopf mit Schweinefleisch und Würstel kam mit Reis, gebackenen Bananen, Orangen, Schweinerippen, Grünkohl und Farofa. Die 2-Personen-Portion war mehr als genug für uns drei. Gut und ausgiebig, aber für mich persönlich etwas zu fleischlastig und schwer. Gegessen habe ich mit zwei äußerst interessanten Leuten: Erstens war da ein Typ aus Atlanta, der für die amerikanische Regierung weltweit Bauprojekte plant und leitet (und deshalb auch viel rumkommt) und zweitens war da eine Dame aus Südafrika. Flog einfach für 5 Tage Urlaub hier her, war angezogen wie ein bunter Vogel, konnte kaum mehr unter ihren langen Kunstwimpern rausschauen und war aufgrund der aufgespritzen Schlauchbootlippen auch kaum mehr zu verstehen. Da verzog sich im Gesicht nicht mal eine Minifalte, wenn sie sprach, eieiei.
Der Amerikaner musste für mich im Anschluss bei einer bunt besprühten Herzerlmauer noch Fotograf spielen und dann verabschiedete ich mich dankend.
Ich schlenderte erneut durch die bunten Straßen und schaute bei den Kunstständen vorbei. Mit einem Kerl, der für eine Aquarellkünstlerin an ihrem Stand verkaufte, kam ich schnell ins Gespräch. Super sympathisch und hat auch schlussendlich hoch begeistert mein Reise-Sketchbook angesehen. Er zeigte es auch gleich der Dame am Stand nebenan - sie verkaufte selbstgemachten Schmuck aus brasilianischem Gras. Wunderschön, ich musste mir einfach ein Armband kaufen! Sie war ebenso mega sympathisch. Ich liebe solche Begegnungen und Gespräche - oft zeigen sie mir, wie ähnlich mir doch viele Leute aus anderen Ländern sind: In der Art, in der Motivation und im Humor. Herrlich!
Ich ließ mich im Anschluss noch mit einem Uber ins historische Zentrum fahren. Die Stadt São Paulo ist so riesig, man braucht echt immer eeewig, bis man von A nach B kommt. Da denkst du dir zuerst so: Boa, wieder 6 Euro für ein Taxi bezahlt, war echt teuer - und dann chauffiert der dich ne knappe Stunde privat, bequem und sicher herum. Zahlt man dann im Endeffekt gern.
Hier angekommen hatschte ich noch ordentlich herum, um mir das Theater und die große gotische Kirche anzusehen. Auf dem Weg hab ich mir übrigens noch Flip Flops zugelegt, weil auch diese den Weg in meinen Rucksack nicht pünktlich gefunden haben. Und barfuß duschen in fremden Hostelduschen? Wääh.
Kurz zurück zur Kirche: Die "Paz Church" ist ja ein wahres Meisterwerk der Gotik, ich war ganz hin und weg! Innen stockt einem fast der Atem: Die Höhe des Gebäudes und die massiven Säulen erklären, warum sie zu den schönsten und größten Kirchen weltweit gehört.
Der Tag war für mich dann auch schon genug. Anstatt nochmal auszugehen, ging ich zeitlich ins Bett. Da es in Österreich auch schon 5 Stunden später wäre, fühlte ich abends noch immer den Jetleg.
Gute Nacht und bis bald, eure Babsi!
(Mittwoch, 5. August 2026)
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