Liebe Leserinnen, liebe Leser!
In meinem Hotelzimmer war ich nicht mehr allein. Leonardo war eingezogen und feierte hier auf der Insel seinen 28. Geburtstag. Wie auch der Rest im Hostel war er Brasilianer. Auch er sprach und verstand kein Englisch. Da er aber etwas von meinem Spanisch verstand und ich was von seinem Portugiesisch, kamen wir zurecht. Den Rest machten Zeichensprache und Google Übersetzer.
Heute hatten wir den Tag mit dem schönsten Wetter, also wollte ich wandern gehen. Für eine günstige Alleinwanderung, die nicht unbedingt einen Guide erfordert, wurde mir die Dschungel-Wanderung "Castelhanos" empfohlen. 2 Stunden entlang Fluss und Wasserfall und alles gut beschildert. Perfekt. Um aber so RICHTIG zu wandern, startete ich nicht vom Startpunkt der Wanderung, sondern von meinem Hostel aus. Sind schon mal 12km und drei Stunden bis zum Startpunkt und einiges an Höhenmetern, da ich bei Seelevel startete und ins Gebirge musste. Die ersten km dem Strand entlang ließen mich schon ganz schön ins Schwitzen kommen- eine Kokosnuss in der Strandbar half aus.
Gott, hier hirschte ich ja wieder mal im allerletzten Bergdorf umher! Der Strand verschwand mit jedem Schritt weiter in der Ferne.
Beim Eingang des Nationalparks und des Wanderwegs wurde ich von einer Parkrangerin empfangen, die mir im seeehr brüchrigen Englisch den Weg und die Stopps auf einer Karte erklärte. Naturpool, Wasserfall, perfekt. "Please do not step on the snakes.", war ihr Abschlusssatz. Damit ich das auch wirklich richtig verstanden hatte, fragte ich nochmal nach und sie zeigte mir per Pantomime, wie sie wild auf einer Schlange herumtrampelt. Oookay, doch richtig verstanden. Aber wie groß sind auch die Chancen, in diesen 2 Stunden wirklich auf eine Schlange zu treffen? Nach sooo vielen Dschungel-Wanderungen in den letzten Jahren kann ich behaupten: Sehr gering.
Hehe.
Es dauerte ungefähr 10 Minuten, als ich eine kleine Holzbrücke überqueren wollte und siehe da- mit der Idee war ich nicht allein. Eine gut 2m lange, grüne Lianennatter bekam es mit dem Stress zu tun und schlängelte sich in rasantem Tempo davon. Ich sprang sofort wieder von der Brücke runter und wartete ab, bis das schöne Tier Reißaus genommen hatte. Zur Sicherheit trampelte ich noch eine Minute lang laut auf der Brücke rum und rannte dann wie wild ein Stück weiter. Ich hab ja nix gegen Schlangen, überhaupt nicht, aber gebissen werden wollt ich so alleine im Wald auch nicht. Zu dem Zeitpunkt wusste ich auch noch nicht, ob sie giftig sein würde, oder nicht. Nachtrag: Diese Art ist besonders schnell, beißt gerne mal zu, bringt dich aber nicht um. Schmerzt nur sehr.
Ab diesem Zeitpunkt stampfte ich durch den Dschungel, anstatt zu gehen. Man weiß ja, dass Schlangen grundsätzlich nicht angreifen wollen und bei Vibration abzischen.
Der Fluss etc. war ganz nett, ließ mich aber alles recht unbeeindruckt. Was mich eher mehr beeindruckte war jeder geschwungene Ast, der von nun an am Weg lag. Schlange!! Nein, doch nicht. Schlange!! Ne, Entwarnung. Die Vorstellungskraft ist ein Hund.
Tief im Wald gab es einen hohen Vogel-Aussichtsturm. Perfekter Platz, um etwas in mein Sketchbook zu zeichnen! Ich traf hier auf Suly, eine junge Frau, die hier oben des öfteren Yoga macht. Sie wohnt seit 6 Jahren hier, macht die Wanderung regelmäßig und hat bisher noch nie eine Schlange gesehen. Aaaach ja. Nachdem sie gegangen war und mich die Insekten trotz Creme nicht in Ruhe ließen, ging schlussendlich auch ich.
Ganz in der Nähe der Dschungelroute führt ein breiterer Weg zurück runter. Hier könnten theoretisch Autos hochfahren, was sie aber nicht tun. Da nehm ich runter doch glatt diese Strecke und vermeide weiteren Schlangenkontakt.
Die Idee war nett, aber als ich da in rasendem Tempo, singend und mit guter Musik runterratterte, zuckte vor mir plötzlich etwas Buntes zusammen.
Ich sprang zurück. Aaah, das sah doch sehr nach einer giftigen Schlange aus. Rot, schwar, weiß, ca. einen Meter lang. Zwischen uns lag nun eine große Wasserpfütze, die mir Sicherheit gab. Ich fing an laut zu stampfen, doch das Tier rührte sich keinen Zentimeter mehr. Rechts davon war schon etwas Platz übrig, um vorbeigehen zu können, doch wie schnell könne mich das Tier wohl "anspringen"? Keine Lust das auszuprobieren.
Gerade, als ich auf der Suche nach ein paar Ästen oder Steinen war, um sie in die Nähe des Tieren zu werfen, hörte ich ein Motorgeräusch. Geeenau, hier fuhr keine Sau entlang und dann genau jetzt? Glück muss man haben.
Ich deutete dem Fahrer, dass er aufpassen solle, weil er ansonsten ziemlich genau über die Schlange drüber gefahren wäre. Er blieb stehen, erklärte mir, dass ein Biss dieser (scheuen) Korallennatter ziemlich sicher tödlich wäre und stellte sich nach einem Gespräch mit seinem Motorrad zwischen mich und das Tier, damit ich sicher passieren konnte. Muito obrigado! 🙏🏼
Begeistert und aufgekratzt zugleich beendete ich dann am Parkausgang mein kleines Schlangenabenteuer. Mit der Rangerin sprach ich noch über meine Schlangenbilder und Videos. Sie meinte, ich wäre 2x glücklich gewesen: Dass ich diese Seltenheiten überhaupt gesehen und dass mich keine gebissen hätte. 😅
Da ich eigentlich bei Sonnenschein noch an den Strand wollte, rechnete ich mir schnell aus, dass sich das zu Fuß nicht ausgehen würde. Uber? Fuhr auf der Insel keins. Bus? Hier mitten im Busch nicht. Aaaber vielleicht per Autostopp? Bald gab es wieder erste Häuser und erste Autos. Bis runter in den Ort sollte das kein Problem sein. Und dann ratet mal, wenn ich mir aufgehalten hatte? Suly vom Vogelturm. Sie schleifte mich dankenswerterweise bis ins Ortszentrum mit und selbst dann hatte ich doch noch ein gutes Stück vor mir.
Da ich zuerst in die falsche Richtung ging und dort auf keinen schönen Strand gestoßen bin, musste ich nochmal umkehren und verlor wertvolle Zeit. Hab grad soviel noch den Sonnenuntergang erwischt und ging dann den gesamten Weg ins Hostel nochmals zu Fuß zurück: Ergo: 30km Wanderung, happy und müde. Was für ein Tag!
Sorry, wurde etwas länger! Grüße, eure Babsi! ❤️
(Samstag, 8. August 2026)
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