Liebes Tagebuch, liebe Leserinnen und Leser!
Der Schreibstopp kam dieses Mal früher als gedacht, nicht? 😅 Keine Sorge, es folgen noch Beiträge - Rio de Janeiro hat mich nur etwas aus der Bahn geworfen (im positiven Sinne. 😉). Weiter mit Ilhabela!
Nach meiner Wanderung schlenderte ich am Abend durch das Dorf und entschied mich für ein Lokal mit Livemusik, um etwas zu essen. Mein Hunger war inzwischen schon riesig! Der Musiker war richtig richtig gut. Hier ist es oft üblich, dass einem bei der Rechnung direkt eine Musikerpauschale berechnet wird. Die knapp zwei Euro hätte ich aber ohnehin für Trinkgeld ausgegeben.
Da mir gesagt wurde, es gäbe ab 22 Uhr Samba Musik und es wird auch getanzt, blieb ich länger als geplant. Hab in der Zeit fleißig Tagebuch geschrieben - bis dann ganz plötzlich die gesamte Gegend einen massiven Stromausfall hatte. Nachdem die Lokalbesitzer ne halbe Stunde auf Besserung gewartet hatten, gaben sie auf, kassierten bei jedem ab und schickten uns nach Hause. Tja, wird wohl noch nix aus meinem Samba.
Am kommenden Tag war das Wetter nicht all zu berauschend. Ich hatte mittels mehrerer Kontakte versucht eine Bootsfahrt zum abgelegenen und schönsten Strand der Insel ("Bonet") zu bekommen, doch die Boote fuhren den Strand unter den schwierigen Wetterbedingungen nicht an. Ebenso gab es heute kein Boot für Walbeobachtung. Gerade war Buckelwalsaison und die Tiere wandern genau an dieser Route entlang. Da ich aber schon mehrere in der Vergangenheit gesehen habe, war das nicht all zu schlimm.
Schlussendlich entschied ich mich dafür, die Strände im Süden des Landes zu besuchen. Nach einem Besuch im Supermarkt wartete ich 30 Minuten auf den ersten Bus zum Hafen. Der Bus bog allerdings in Richtung Bergdorf ab und fuhr einen riesen Umweg - vermutlich wäre ich zu Fuß nicht viel langsamer gewesen.
Ich wartete am Hafen auf den nächsten Bus, welcher mich in den Süden fuhr und legte mich kurz an den Strand der "Praia Grande", bevor ich Dorf für Dorf und Strand für Strand wieder in den Norden zurück spazierte. Es war kühl und der Nieselregen holte mich recht bald ein. Bus wollte ich dennoch nicht noch einen nehmen - das bisschen Regen würde mich schon nicht davonschwemmen. Ein Zwischenstopp im Restaurant mit kleiner Malpause kam mir da ganz gelegen. Der Besitzer des Lokals fragte mich bei der Bezahlung, ob ich auf der Insel wohnen würde, dann hätte er nämlich eine Auftragsarbeit für sein Restaurant für mich: Ein Bild vom Ausblick seiner Terrasse aufs Meer. Sehr nett, aber leider nein. Das Gehen an der Küste bei Wind und Regen wurde mit der Zeit immer anstrengender. Ne Jacke hätte mir noch gut getan. Nochmal positiv erwähnen möchte ich den Gehweg, der sich an der gesamten Küste hochschlängelt plus die Sauberkeit! Kaum zuvor habe ich solche sauberen Strände und Straßen gesehen! Es gibt überall Mülleimer, ausnahmslos jeden Tag wird gereinigt, Müll gesammelt und Müllsäcke werden abtransportiert! Rund um Restaurants etc. machen das die jeweiligen Angestellten und im öffentlichen Bereich eigene Reinigungstrupps. Die Sicherheit darf man auch nicht vergessen - laut meinem letzten Fahrer könne man hier sogar den Schlüssel im Auto stecken lassen. Fühlte sich auch so an!
Ich organisierte an dem Tag noch meine baldige Weiterreise und nahm vom Hafen aus einen Bus zurück in mein Dorf. Aber WAS für ein Bus das war - da war der Umweg vom ersten am Vormittag ja ein Dreck dagegen. 😅 Wir fuhren ungefähr 500 Häuser am Hügel mitten am Arsch der Welt ab und hatten es manchmal mit Zentimeterarbeit zu tun, um mit dem Buseck nicht die nächste Hausecke oder ein geparktes Auto mitzunehmen. Die Fahrt war so verrückt, dass ich irgendwann einfach nur mehr breit grinsen musste - wo war ich hier nur wieder rein geraten? Himmel hilf.
Ärgerte mich doch ziemlich, dass sich meine Abreise hier nochmals um einen Tag verzögern sollte, da die Busse furchtbare Zeiten und Umstiege aufwiesen. Noch ein Tag mit Regenwetter wohlgemerkt. Hätte ich was unternehmen können bzw. mich an den Strand legen können, wäre es halb so schlimm gewesen. So allerdings fühlte sich das nach verlorener Zeit an und stresste mich etwas. Für übermorgen gäbe es wieder einen Privatfahrer, der mich für den halben Buspreis direkt von der Insel in meinen Wunschort Paraty fahren würde. Viel unkomplizierter als mit dem Bus und somit das Warten wert.
Um die Abfahrt zu erleichtern, wanderte ich für die letzte Nacht auf der Insel in ein Hostel Nähe Hafen weiter. Günstig und doch so nett! Mit der Belgierin im Bett nebenan verstand ich mich gleich sehr gut. Die Wände des Hostels wurden von viel unterschiedlicher Kunst geschmückt und später wurde auch mein Reise-Sketchbook von Hand zu Hand weitergereicht und bestaunt. Ein Mädl aus Argentinien bemalte gerade die Wände eines Gästezimmers. Zufälligerweise war sie auch noch Tätowiererin und Masseurin. Einen der beiden Dienste hab ich in Anspruch genommen - Auflösung gibt's im nächsten Bericht. 😏
Liebe Grüße, eure Babsi!
(8.-10. August 2026)
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